THI-Wert bei Milchkühen: Hitzestress früh erkennen und vermeiden
Viele Milchviehhalter orientieren sich bei der Beurteilung des Stallklimas hauptsächlich an der Temperatur.
Doch die Temperatur allein sagt wenig darüber aus, wie stark Kühe tatsächlich belastet werden.
Entscheidend ist die Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
Beide Größen berücksichtigt, der sogenannte THI-Wert (Temperature Humidity Index).
Der THI gehört heute weltweit zu den wichtigsten Kennzahlen für die Beurteilung von Hitzestress bei Kühen. Er hilft Landwirten dabei, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig Maßnahmen zum Schutz von Tierwohl und Milchleistung einzuleiten.
Kurz erklärt: Was ist der THI-Wert?
Der THI-Wert kombiniert:
- Lufttemperatur
- relative Luftfeuchtigkeit
zu einer einzigen Kennzahl.
Dadurch lässt sich besser beurteilen, wie stark Kühe durch ihr Stallklima belastet werden.
Denn eine hohe Luftfeuchtigkeit erschwert auch bei moderaten Temperaturen die natürliche Wärmeabgabe der Tiere erheblich.
Ein Sommertag mit 25 °C und niedriger Luftfeuchtigkeit wird von Kühen oft deutlich besser vertragen als dieselbe Temperatur bei hoher Luftfeuchtigkeit.
Warum sind Kühe so empfindlich gegenüber Hitze?
Milchkühe erzeugen während der Verdauung und Milchproduktion große Mengen an Körperwärme.
Besonders leistungsstarke Tiere produzieren kontinuierlich Wärme, die abgeführt werden muss.
Die Wohlfühltemperatur von Rindern liegt deshalb deutlich niedriger als viele Menschen vermuten.
Wohlfühltemperatur von Kühen
- Optimal: 5 bis 20 °C
- Erste Belastungen: ab THI 68
- Deutliche Leistungseinbußen: ab THI 72
- Starker Hitzestress: ab THI 78
Je höher die Milchleistung, desto empfindlicher reagieren Tiere auf hohe Temperaturen.
Körpertemperatur von Kühen
Die normale Körpertemperatur einer ausgewachsenen Milchkuh liegt zwischen:
38,0 °C und 39,0 °C
Bereits kleine Erhöhungen der Körpertemperatur können sich negativ auf Leistung, Gesundheit und Fruchtbarkeit auswirken.
Wenn Kühe ihre überschüssige Wärme nicht ausreichend abgeben können, steigt der körperliche Stress deutlich an.
THI-Klassen im Überblick
| THI-Wert | Belastung |
|---|---|
| unter 68 | keine Belastung |
| 68–71 | leichter Hitzestress |
| 72–78 | mittlerer Hitzestress |
| 79–88 | starker Hitzestress |
| über 88 | akute Belastung |
Diese Werte werden weltweit als Orientierung für Milchviehbetriebe genutzt.
Welche Folgen hat Hitzestress?
Viele Auswirkungen sind bereits sichtbar, bevor die Milchleistung sinkt.
Typische Anzeichen sind:
Höhere Atemfrequenz
Kühe beginnen schneller zu atmen, um Körperwärme abzugeben.
Weniger Futteraufnahme
Die Tiere reduzieren ihre Futteraufnahme, um weniger Stoffwechselwärme zu produzieren.
Sinkende Milchleistung
Weniger Energie steht für die Milchproduktion zur Verfügung.
Schlechtere Fruchtbarkeit
Hitzestress kann Besamungserfolge und Trächtigkeitsraten negativ beeinflussen.
Mehr Stehzeiten
Kühe liegen weniger und versuchen, über größere Körperoberflächen Wärme abzugeben.
Warum warme Nächte besonders kritisch sind
Viele Landwirte konzentrieren sich auf die Mittagshitze.
Für Kühe sind jedoch oft die Nächte entscheidend.
In kühlen Nächten können Tiere ihre Körpertemperatur wieder senken.
Bleibt der THI-Wert jedoch auch nachts erhöht, entstehen:
- geringere Erholung
- weniger Futteraufnahme
- anhaltender Hitzestress
- höhere Leistungseinbußen
Dieses Phänomen tritt in Deutschland und Österreich zunehmend häufiger auf.
Stallklima statt Außentemperatur messen
Wetter-Apps liefern wichtige Informationen.
Entscheidend sind jedoch die Bedingungen im Stall.
Das tatsächliche Stallklima wird beeinflusst durch:
- Luftaustausch
- Tierdichte
- Sonneneinstrahlung
- Gebäudekonstruktion
- Luftverteilung
Deshalb sollten Temperatur und Luftfeuchtigkeit möglichst direkt im Tierbereich gemessen werden.
Frischluft im Stall reduziert Hitzestress
Eine gute Stallbelüftung kann die Außentemperatur nicht verändern.
Sie kann jedoch die Wärmebelastung der Tiere erheblich reduzieren.
Eine effektive Luftverteilung sorgt dafür:
- dass Wärme abgeführt wird
- dass Feuchtigkeit reduziert wird
- dass die Luftgeschwindigkeit am Tier steigt
- dass Kühe ihre Körperwärme besser abgeben können
Genau hier gewinnen moderne Systeme zur Stallbelüftung zunehmend an Bedeutung.
Warum gleichmäßige Luftverteilung entscheidend ist
In vielen Ställen entstehen Bereiche mit schlechter Luftbewegung.
Dort sammeln sich:
- Wärme
- Feuchtigkeit
- Schadgase
Die Folge:
Ein Teil der Herde leidet unter deutlich höherem Hitzestress als andere Tiere.
Moderne Lüftungssysteme mit Textilschläuchenverteilen Frischluft gleichmäßig im gesamten Stall und sorgen dafür, dass im gesamten Liegebereich bei hohen THI-Werten die empfohlene Luftgeschwindigkeit von 2,5 m/s erreicht wird
Dadurch profitieren alle Tiere von besseren Klimabedingungen und die gesamte Stallfläche wird genutzt, ohne dass bestimmte Plätze gemieden werden.
Fazit
Der THI-Wert ist eines der wichtigsten Werkzeuge zur Beurteilung von Hitzestress bei Milchkühen.
Wer Temperatur und Luftfeuchtigkeit regelmäßig überwacht, kann kritische Situationen frühzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten.
In Kombination mit einer gut geplanten Stallbelüftung lassen sich Tierwohl, Fruchtbarkeit und Milchleistung auch während heißer Sommer deutlich besser schützen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
THI steht für „Temperature Humidity Index”. Der Wert kombiniert Temperatur und Luftfeuchtigkeit und zeigt an, wie stark Kühe durch bestimmte klimatische Bedingungen belastet werden.
Erste Anzeichen von Hitzestress treten meist ab einem THI von etwa 68 auf.
Die normale Körpertemperatur liegt zwischen 38,0 °C und 39,0 °C.
Die optimale Temperatur für Milchkühe liegt meist zwischen 5 °C und 20 °C.
Hohe Luftfeuchtigkeit erschwert die Wärmeabgabe über die Atmung. Dadurch steigt die Belastung der Tiere deutlich an.
Wichtige Maßnahmen sind:
• ausreichende Wasserversorgung
• gute Stallbelüftung
• gleichmäßige Frischluftverteilung
• Überwachung des THI-Wertes
• Vermeidung von Hitzestaus
Ja. Eine gleichmäßige Luftbewegung unterstützt die Wärmeabgabe der Tiere und verbessert das Stallklima erheblich.
Kühe benötigen kühle Nachtstunden zur Erholung. Bleibt es nachts warm, kann sich die Belastung über mehrere Tage hinweg aufbauen.